Aenne & Karl Hardeck: Wie alles begann

Mit der Eröffnung ihres Möbelgeschäftes legten Aenne und Karl Hardeck am 01. September 1937 den Grundstein für den Beginn einer erfolgreichen Firmengeschichte. Wir erzählen, wie damals alles anfing…

Eigentlich begann alles mit einem Spaziergang. Karl und Aenne Hardeck entdeckten, als Sie gemeinsam durch die Clemensstraße in Bochum schlenderten, ein leer stehendes Geschäft mit dem Aushängeschild „Ladenlokal zu vermieten“. Die beiden blieben davor stehen und Karl Hardeck, der schon seit vielen Jahren als Kaufmann in Möbelgeschäften arbeitete, fragte seine Frau: „Was meinst du, wenn wir hier ein Möbelgeschäft errichten würden?“ Aenne Hardeck fragte nur zurück: „Von was denn?“, denn das einzige Vermögen der Beiden bestand in einem Auto. Aber Karl Hardeck hatte Feuer gefangen, die Vision eines eigenen Möbelgeschäfts war entstanden und schon am nächsten Tag unterschrieb er den Mietvertrag.

KV_Hofgebaeude-Hardeck

In seiner Zeit als Prokurist und Kaufmann in zwei verschiedenen Möbelhäusern lernte Karl Hardeck zahlreiche Möbelfabrikanten persönlich kennen. Diese Beziehungen machte er sich jetzt zu Nutze. Das Ehepaar fuhr zu verschiedenen Fabrikanten und stellte ihre Idee vor – überraschenderweise stießen Sie nicht auf Ablehnung oder Skepsis, sondern auf Interesse und Hilfsbereitschaft. So kamen schnell die ersten Möbel ins Geschäft. Weil Schreiner zu teuer waren, halfen Familie und Freunde dabei, alles für die Eröffnung herzurichten. Wagenladungen Dreck wurden herausgekarrt, neue Lichtleitungen verlegt, Wände frisch tapeziert und Fenster neu lackiert. Was das Möbelgeschäft von den anderen abheben sollte, war vor allem der Anspruch, es möglichst modern einzurichten. Aenne Hardeck spezialisierte sich auf eine einzigartige Schaufenster- und Ausstellungsgestaltung – und die Kunden kamen. Schon am ersten Tag konnte das allererste Möbelstück, eine Garderobe, verkauft werden.

hardeck_transporterBald mussten weitere Mitarbeiter eingestellt werden, außerdem fehlte ein eigener Lieferwagen. Im Herbst 1937 mieteten die Hardecks einen LKW, an dessen Seiten erstmals der Name „HARDECK“ zu lesen war.

KV_Schaufenster1950-Hardeck-270mmhochAenne Hardeck gestaltete alle 14 Tage mit viel Liebe zum Detail die Schaufenster neu – und machte so immer wieder neue Kunden auf ihr Geschäft aufmerksam. Bis 1939 erweiterte sie das Sortiment um eine Kollektion aus Deko-Artikeln und legte den Grundstein für die heutige Boutique-Abteilung.

aussenansicht3

Ab 1939 gab es mit dem Kriegsbeginn allerdings nur noch ein Thema. Karl Hardeck bekam mitten in der Nacht einen Anruf mit einem Stellungsbefehl und musste wie viele andere auch, in den Krieg ziehen. Seine Frau ließ er alleine zurück, sie bemühte sich, das Geschäft weiter zu führen, trotz täglicher Bombenangriffe und der Tatsache, dass viele Mitarbeiter fehlten. Karl Hardeck erkrankte schließlich schwer und starb am 15.06.1942. Aenne hatte ihm das Versprechen gegeben, das Geschäft für den Sohn weiterzuführen. Als das Geschäft bei Bombenangriffen komplett zerstört wurde, eröffnete Aenne das Möbelhaus in Bochum Werne neu.

Das Ende des Krieges brachte nicht nur Erleichterung, sondern auch viele neue Fragen und Probleme mit sich. Egal, bei welchen Fabrikanten Aenne Hardeck nach Möbeln fragte, sie bekam immer die gleiche Antwort: „Haben Sie Kohlen, dann können Sie Möbel bekommen“. Kurzerhand ging sie daraufhin ein Geschäft mit den Bergleuten ein: Für fünf Tonnen Kohle wollte sie ihnen im Tausch Möbel organisieren. Als die Bergleute sich davon überzeugt hatten, dass auf dieses Abkommen Verlass war, wurde daraus ein dauerhaftes Geschäft und es konnte weitergehen. Der Laden brummte wieder und das Möbelhaus in Bochum Werne wurde bald zu klein.

Am 01.09.1957 eröffnete Aenne Hardeck mit ihrem neuen Mann ein größeres Möbelhaus in Bochum-Laer. Dort wurde stetig erweitert, dazugekauft, angebaut, umgebaut, abgerissen und neu gebaut, bis schließlich am 01.09.1982 am Werner Hellweg ein Areal von 5.000 qm mit Parkplatz eröffnet werden konnte. Als diese Fläche für ein expansives Möbelhaus nicht mehr ausreichte, wurde in Bochum-Laer an der Wittener Straße ein Achteck mit 8.000 qm reiner Möbelausstellungsfläche und einem Riesenparkplatz errichtet.

Zeitgeist und Stile verändern sich – und das ist gut so. Einblicke in die Ausstellung von HARDECK in den 60er und 70er Jahren.

Noch heute ist HARDECK ein Familienunternehmen und wird von Karl-Ernst Hardeck und seinem Sohn Dirk Hardeck geleitet. Damit ist die Führung des Unternehmens bereits in die vierte Generation übergegangen. Neben Bochum gibt es inzwischen noch drei weitere Filialen in Bramsche, Hilden und Senden.